Der Paradiesfisch
Den Paradiesfisch - Macropodus opercularis
Dieser Fisch wurde erstmalig 1758 beschrieben und war der erste Aquarienfisch in unseren Wohnzimmeraquarien, die damals oft auf eine Aquarienzeitung verzichten mussten.
Das Vorkommen umfasst in Nord-Süd-Richtung etwa dreißig Breitengrade und reicht im Norden bis Korea, im Süden bis Südvietnam. Die Hauptvorkommen liegen in den Tiefländern Chinas. Auch auf den Inseln Hainan und Taiwan (Formosa) wurden sie gefunden. Selbst von den an das Ostchinesische Meer bis zum Pazifik hin begrenzenden, japanischen Riukiu-Inseln gibt es Fundorte.
Makropoden sind als Bewohner der Reissümpfe bekannt, doch sind sie in den verschiedensten stehenden und langsam fließenden Gewässern anzutreffen. In den Flüssen der chinesischen Tiefebene gehen sie bis in die Gezeitenzone.
Beschreibung:
Als Maximalgröße wird eine Gesamtlänge von 11 Zentimetern angeben. Die Weibchen bleiben deutlich kleiner. Im Gartenteich haben meine Männchen eine größe von gut 15 cm erreicht. Bereits mit 5-6 Zentimetern Länge sind Makropoden zuchtfähig.
Die Paradiesfische gehören zu den wenigen Kletterfischen mit gabelartigen Schwanzflossen. Die äußeren Strahlen sind, besonders bei älteren Männchen, weit ausgezogen und machen zum großen Teil den dekorativen Wert der Tiere aus. Die Rücken- und Afterflossen schöner Männchen sind im Bereich der Gliederstrahlen ebenfalls weit verlängert.
Am Körper sind die Tiere abwechselnd mit jeweils etwa zehn roten und blauen Querstreifen versehen. Tiere mit gleichmäßigen, nicht unterbrochenen Streifen sind besonders beliebt. Auch die Flossen sind blau und rot gemustert. Der lateinische Artname bezieht sich auf den dunklen, hellumrandeten Kiemendeckelfleck (operculum = Kiemendeckel)
Die Weibchen sind unschwer an ihrer schwächeren Beflossung, ihrer weniger lebhaften Färbung und ihrer geringeren Größe zu erkennen.
Zucht:
Makropoden lassen sich recht leicht züchten, allerdings gibt es auch faule Partner die man gegebenenfalls austauschen sollte. Zur Zucht reichen durchaus kleine Aquarien, ich selbst verwende jedoch ein Aquarium von 80 cm Länge, bei einen Wasserstand von ca. 15 cm, bepflanzt mit einer Handvoll schwimmender Wasserpest. Die Wassertemperatur beträgt ca. 25° C, PH um 7°. Nachdem das Weibchen Laich angesetzt hat, setze ich es als erstes ins Aquarium, das Männchen folgt am nächsten Tag. Schon bald beginnt das Männchen sein Revier abzustecken und mit dem Bau eines Schaumnestes, was am Anfang meist aus einer sehr großflächigen dünnen Schicht Blasen besteht. Während der Laichphase bleibt das Weibchen zumeist die ganze Zeit ununterbrochen am Nest, ohne vom Partner ernsthaft behelligt zu werden. Dabei ist es auffallend blass, zeigt keine Opercularflecken und trägt die ungleichen Flossen fest angelegt.
Zur Paarungseinleitung drängt sich das Weibchen an die Seite des Männchens. Daraufhin biegt sich das Männchen seiner Partnerin entgegen. Das Männchen legt die Flossen an und formt mit seinem Körper ein zur Partnerin offenes U. Sie schwimmt nun in die Köperbucht und wendet dabei das Männchen, das sie in diesem Moment fest umklammert, auf die Seite, so dass dessen Körper nun ein zur Wasseroberfläche offenes U bildet. Ohne seine Umklammerung zu lockern, dreht sich das Männchen nun so, dass Schwanz und Kopf zum Boden zeigen. Dabei wird das Weibchen in Rückenlage gebracht und die Geschlechtsprodukte ausgestoßen, die Fische trennen sich. Der ganze Laichakt dauert einige Sekunden. Die Eier sind milchig trüb und auf Grund einer großen zentralen Ölkugel leichter als Wasser. Sie steigen nach oben ins Schaumnest auf. Pro Laichakt werden 10-30 Eier ausgestoßen, pro Laichphase etwa 500 Eier. Das Weibchen wird danach nicht mehr in die Nähe des Nestes geduldet. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Larven nach ca. 30 Stunden, nach weiteren ca. 30 stunden schwimmen sie frei. Nun entferne ich die Eltern und senke den Wasserstand auf 10 cm. Die Aufzucht der Jungfische erfolgt wie bei anderen Labyrinthern, zuerst mit Kaffeeweiser, welchen ich dreimal täglich auf die Wasseroberfläche gebe. Man sollte mit dem Kaffeeweiser vorsichtig umgehen, nur soviel auf die Wasseroberfläche geben bis das Wasser leicht trüb ist. Zum Kaffeeweiser füttere ich einmal täglich Mickron, ein sehr feines "Brausepulver", was sich auf der Oberfläche sehr gut verteilt und von den Jungfischen gefressen wird. Nach ca. 5 Tagen beginne ich mit der Fütterung von frischgeschlüpften Salinenkrebsen.
Nachdem die Jungfische geschlüpft sind, wird nach meinen Beobachtungen das Weibchen nicht mehr verjagt. Manchmal sieht es so aus, als würde sich das Weibchen bei der Aufzucht der Brut beteiligen.
Haltung:
Makropoden sollten mindestens paarweise gehalten werden, besser und für die Beobachtung der wirklichen Verhaltensmerkmale dieser Fische empfehle ich eine Gruppe von fünf Tieren, hier ist das Verhalten der Tiere, insbesondere das Imponieren der Männchen unter einander, ein besonderes Erlebnis. Eine Vergesellschaftung ist durchaus möglich, jedoch sollten die Mitbewohner nicht zu klein sein, auch eine Vergesellschaftung mit Guppymännchen halte ich für ein Problem, denn der große Fächerschwanz des Guppys würde erheblich leiden. Auch sollte das Gesellschaftsaquarium schon eine Größe von 100 Litern haben und gut bepflanzt sein, sonst könnte es vorkommen, dass die Paradiesfische sich nicht gerade vorbildlich verhalten und in kleineren Aquarien leicht die anderen Fische verdrängen können, die dann ängstlich in den Verstecken ausharren müssen.
Ich halte meine Makropoden in den Sommermonaten im Gartenteich und hole sie erst zum Herbst wieder ins Aquarium. Der besondere Vorteil an dieser Methode ist, dass sich die Farben und Flossen der Fische besonders gut entwickeln, so dass man manchmal Schwierigkeiten bekommt, die Geschlechter einwandfrei zu erkennen. Denn auch die Weibchen haben intensive Farben, auch sind die Flossen deutlich länger als bei Tieren, die im Aquarium aufgezogen werden.
Durch sein Verhalten, Schönheit und Anpassungsfähigkeit hat der Paradiesfisch seit seiner Einführung an Beliebtheit nichts verloren, einfach ein toller Fisch dieser Paradiesfisch und ein Versuch wert, ihn einmal zu pflegen. Nicht umsonst wurde der Paradiesfisch zum Aquarienfisch des Jahres 1997 gewählt.
