Der Rundschwanzmakropode
Meine Beobachtungen über " MACROPODUS ocellatus"
Um Ostern 1984 herum bekam ich von Herrn Dr. J. Vierke sieben MACROPODUS ocellatus. Sie waren etwa einen Zentimeter groß und kamen zunächst in ein 30-l-Becken.
Ich fütterte sie gut und abwechslungsreich mit Tümpelfutter und sie wuchsen sehr schnell, so dass sie bald in ein größeres Becken übersiedeln mussten.
Schon sehr bald war ich am überlegen, ob ich Männchen und Weibchen hatte, so dass sich Paare bilden konnten. Aber ich stellte keinen Unterschied fest. In meinen Büchern fand ich nur einen sehr kleinen Bericht und war nun auch nicht schlauer als vorher.
Also ging ich nach meiner altbewährten Methode vor: füttern, füttern und beobachten. Die Fische wuchsen sehr schnell und von einigen war die Farbe intensiver. Als sie eine Größe von ca. 6 cm erreicht hatten, setzte ich ein vermutliches Weibchen in ein 50-l-Becken und fütterte vermehrt Mückenlarven, die Wassertemperatur betrug 25° C. Nach einigen Tagen konnte ich einen Laichansatz erkennen und setzte nun ein Männchen dazu. Nach gut zwei Tagen Eingewöhnungszeit begann das Männchen ein Schaumnest zu bauen. Die Fische laichten bald darauf ab und nach einigen Tagen sah ich die ersten Larven im Nest hängen. Nun entfernte ich die Eltern. Die Jungfische fütterte ich wie bereits beschrieben.
Da es jetzt im November kaum kleines Lebendfutter gab, entschloss ich mich, die kräftigsten zwanzig Fische aufzuziehen. So war eine ausreichende Futtermenge sicher und die Fische wuchsen gut und sind heute geschlechtsreif.
Im April 1985 erfolgte ein weiterer Zuchtansatz. Da die Monate März/April die Zeit der schwarzen Mückenlarven sind, hatte das Weibchen schnell Laich angesetzt und schon am dritten Tag abgelaicht. Das Weibchen verlor hiernach völlig die Farbe, ich konnte aber nicht feststellen, woran es lag. Auch vom Männchen wurde sie nicht gejagt. Etwa 200 Jungfische bekam ich aus dieser Zucht und da es zu dieser Zeit reichlich Lebendfutter gab, hieß es für mich tümpeln, immer wieder tümpeln!
Da die MACROPODUS ocellatus auch kühlere Temperaturen ab können, wollte ich nun wissen, ob sie draußen genauso wachsen, wie drinnen im temperierten Aquarium. Ich stellte eine Tonne auf (50 cm hoch, 80 cm Durchm.) und füllte sie mit Wasser und Wasserpest. Am 26.5.1985 betrug die Wassertemperatur am Tag 22° C und ich setzte ca. 30 Tiere hinein. Nach einer Kältewelle, Anfang Juni, war die Wassertemperatur tagsüber auf nur noch 8° C abgesunken. Zum Glück ist nur ein Fisch eingegangen. Die anderen ocellatus hielten sich unter der Wasserpest auf und stellten die Atmung durch ihr Labyrinth ein.
Ende September holte ich die Tiere aus der Tonne. Sie waren sehr kräftig und die Flossen hatten sich sehr gut entwickelt. Sie waren jedoch nur um ca. 2 cm größer als die Tiere, die ich im Keller pflegte. Vielleicht lag es an dem zu geringen Platz?! Ich nahm mir vor, es noch einmal zu versuchen, und zwar in meinem neuen Teich.
Mit Rat und Tat eines erfahrenen "Teich-Haasen", legten Werner und ich im Sommer 1986 meinen Teich an. Er war 4 Meter mal 3 Meter groß und maß an der tiefsten Stelle 0,90 Meter. Die Wasserpflanzen bekam ich entweder geschenkt oder ich sammelte sie auf meinen sonntäglichen Erkundungen. Es sah alles noch ein bisschen mickrig aus, aber als Aquarianer wissen wir ja, dass Wasserpflanzen sehr schnell wachsen können. Daher entschloss ich mich, den Teich erst mal in Ruhe zu lassen.
Anfang April 1987 bereitete ich einige Makropoden vor, indem ich sie im Keller in ein separates Becken setzte und nach und nach die Temperatur senkte.
Am 23.5.1987 war das Teichwasser 22° C warm und das Wasser im Keller hatte 20 Grad. Ich setzte die ersten Tiere aus, Länge 12 cm. Nachdem ich keine Ausfälle beobachten konnte, setzte ich am 15.6.1987 weitere Jungtiere mit einer Länge von 2 cm aus. Die Tiere wurden lediglich beim Tümpeln mit Futter versorgt. Ausfälle muss es aber gegeben haben, weil sich inzwischen auch Gelbrandkäfer und Libellenlarven im Teich angesiedelt hatten.
Am 26.9.1987 hatten sich einige Vereinsfreunde bei mir eingefunden, um mit mir den Teich abzuwischen. Dabei stellten wir folgendes fest:
10 größere Tiere, mit sehr schöner Flossenpracht, Länge ca. 13 cm
15 sehr kleine Tiere, ca. 1 cm lang
der Rest war ca. 7-8 cm lang.
Insgesamt fischten wir 77 Tiere aus dem Teich. Die mitgefangenen Libellenlarven (Königslibelle) und Gelbrandkäfer setzen wir natürlich zurück.
Das wiederholte sich auch 1988! Wieder konnten wir eine Vermehrung der Makropoden feststellen. Auch diesmal waren wir begeistert über die intensiven Farben und die langausgezogenen Flossen. Es war also schon eine gewisse Routine, die Prozedur Jahr für Jahr zu wiederholen. Ich hatte es mir ja auch vorgenommen so weiter zu machen, aber dann kam leider das Jahr 1989!
Wie immer trafen die Vereinsfreunde ein, um mit mir den Teich abzufischen, die Tiere zu fotografieren und um sie dann in ein vorbereitetes Becken in den Keller zu setzen. Alles verlief nach Maß! Wir waren, wie immer, von den Fischen begeistert. Am Abend beim Grillen wurde noch nach Herzenslust gefachsimpelt.
AM NÄCHSTEN MORGEN WAREN ALLE FISCHE TOT!
Beim Anblick des Aquariums kamen mir die Tränen! Wie konnte das nur geschehen?
Ich hatte das Wasser nicht sorgfältig genug vorbereitet. Es war viel zu hart! Erstmals verzichtete ich auf reines Teichwasser. Diese Nachlässigkeit war leider für die Fische tödlich und mein Bestand an MACROPODUS ocellatus dahin.
Man sollte sich also viel Ruhe und Zeit für die Pflege seltener Fische und anderer Tierarten nehmen! Auch "Alte Hasen" machen noch Fehler, aber die wenigsten geben es zu!
Nun kam die Frage auf, wo bekommt man denn neue Macropodus ocellatus her ?????
Als Mitglied der IGL (Internationale Gesellschaft für Labyrinthfische) war die Gesellschaft meine letzte Hoffnung. Also wurde die Bestandslisten sorgsam nach ocellatus durchsucht und siehe da, ich bin fündig geworden, ein Mitglied der IGL hatte welche abzugeben. Auf der nächsten Tagung der IGL hielt ich dann meine Macropodus ocellatus in den Händen.
Wieder zu Hause angekommen wurde ein Aquarium für meine ocellatus eingerichtet, ich hatte zwei Männchen und ein Weibchen bekommen, leider nur ein Weibchen!! Sie galt natürlich meiner besonderen Aufmerksamkeit. Trotz bestem Futter, Hege und Pflege wollte sie nicht ablaichen, aber wie es so ist, man hat wenig Einfluss auf die Tiere, sie machen oft was sie wollen. Ich entschloss mich schließlich die Tiere im Sommer einfach in Ruhe zu lassen, sie kamen in den Gartenteich.
Natürlich bin ich jetzt schon gespannt, wie sie aussehen, wenn sie im Herbst aus dem Teich geholt werden. Vielleicht haben sie sich ja dort vermehrt???
Als wir sie im Herbst aus dem Teich holten, hatten wir großes Glück. Wir fischten alle drei M. ocellatus wieder aus dem Teich, das Aquarium im Keller war mit reinem Teichwasser gefüllt und hatte die gleiche Temperatur wie das Wasser im Teich.
Das Aquarium im Keller hatte die Maße von 80*30*20 cm und war mit einem Schaumstofffilter und einer Handvoll Wasserpest eingerichtet. Sie bekamen natürlich das beste Futter, schon nach einigen Tagen zeigte das Männchen seine wahre Schönheit, immer wieder Schwarm es auf das Weibchen zu und stellte sich mit gespreizter Schwanzflosse vor das Weibchen. Am nächsten Tag hatte er in der vorderen Ecke des Aquariums ein lockeres Schaumnest errichtet, nach den ersten Scheinpaarungen wurde bald abgelaicht. Nun stellte sich für mich die Frage, wie ziehe ich die Jungbrut hoch, ich hatte sie doch erst seit 7 Tagen im Keller? Ich erinnerte mich an mein Missgeschick von 1989 und entschloss mich, nichts zu tun und lies die Jungfische bei ihren Eltern. So bekam ich mit Sicherheit einige Fische groß, am Ende waren es immerhin 35 Tiere, ich war stolz, dass es doch geklappt hat.
Jetzt wartete ich darauf, dass sich das Wetter besserte und die Nächte frostfrei blieben, damit die Chinamakropoden endlich in den Teich konnten und wahre Prachttiere wurden.
Bemerkungen:
Wenn ich meine jetzigen Chinamakropoden mit den Tieren vergleiche, die ich am Anfang hatte, so muss ich feststellen, dass meine ersten Tiere viel kräftiger im Körperbau und die Spitzen der Rücken- und Afterflosse waren sehr viel weiter ausgezogen als jetzt, auch das typische Warbenmuster ist längs nicht so deutlich.
Bei einem Besuch von Herrn Dr. Vierke plauderten wir über alte Zeiten und gingen natürlich auch in meinen Aquarienkeller. Ohne das ich etwas sagte, bemerkte Dr. Vierke meine ocellatus. Diese ocellatus sehen anders aus als die, die ich kenne, bemerkte er mit fachmännischem Blick sofort. Eine Unterart von M. ocellatus ist es, bemerkte er, aber was es genau ist, wusste er auch nicht.
Die Länge meines jetzigen Männchen beträgt gerade mal 8 cm. Da ich das Alter der Tiere nicht genau weiß, wird es sich zeigen müssen, ob die ocellatus im Sommer im Gartenteich an Länge zulegen werden.
Was ich nun eigentlich in meinem Keller pflege, wird hoffentlich einmal geklärt werden können, vielleicht durch die Freunde in der IGL. Ich freue mich schon auf die nächste Herbsttagung, vom 9.-10.10.1998 in Ganderkesse.
