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Farbe ins Aquarieum

Bringen Sie doch einmal Farbe ins Aquarium.
Wie ? Ganz einfach : Mit Fadenfischen der Gattung Colisa. Alle kennen die Fadenfische, einer der Bekanntesten ist wohl der Zwergfadenfisch, den es in den verschiedensten Zuchtvarianten gibt. Aber dass noch weitere drei Arten zu dieser Gattung gehören, ist nicht allen bekannt: Dieses möchte ich mit diesem kleinen Artikel ändern.

Fadenfische gehören zu den Labyrinthfischen:
Labyrinthfische haben ein zusätzliches Atemorgan, das so genannte Labyrinth. Das Labyrinth dient neben der Kiemenatmung als zusätzliches Organ.

Hier die Abstammung der Fadenfische:Ordnung Perciformes - Barschartige Hier zur Familie Anabantide – Kletterfischverwandte Zur Unterfamilie Trichogasterinae Gattung Colisa oder die Gattung Trichogaster
Beide Gattungen zählen zu den Fadenfischen, man bezeichnet die Gattung Trichogaster als die Östlichen Fadenfische und die Gattung Colisa als die Westlichen Fadenfische.

Hier kennen wir vier Arten: Colisa chuna – Honigfadenfisch Colisa lalia - Zwergfadenfisch Colisa labiosa – Dicklippiger Fadenfisch Colisa fasciata – Gestreifter Fadenfisch
Der Gattungsname Colisa – kholisha = Bezeichnung der Einheimischen im westlichen Assam für Fadenfische. Als Fadenfische werden sie bezeichnet, weil die Bauchflosse sich zu einem einzigartigen fadenartigen Strahl reduziert hat. Bei Trichogaster-Arten sind neben dem Faden noch zwei oder drei Weichstrahlen vorhanden.

Vorkommen. In Bächen, Teichen und überschwemmten Wiesen und Reisfeldern im Bereich der großen Ströme Nordindiens vom Indus in Pakistan bis nach Rangun in Birma.
Als nächstes will ich die einzelnen Arten einmal kurz vorstellen.

Honigfadenfisch
Colisa chuna
Erstbeschreibung erfolgte durch Hamilton-Buchmann 1822
Ersteinfuhr: 1962
In Goalpara im westlichen Assam (Nordost Indien) wird der Honiggurami „Chuna kholisha“ genannt Der Gattungs- und der Artname sind so entstanden.
Größe: 4-5 cm

Beschreibung:
Geschlechtsunterschiede: Männchen im Prachtkleid mit blauschwarzer Kehl- und Bauchpartie, vorderer Teil der Afterflosse ebenfalls schwarz. Körper ist einfarbig braunrot. Teile der Rückflosse sind gelb. Weibchen unscheinbarer ockerfarben mit dunklem Körperlängsband. Jungfische sind genauso wie die Weibchen gefärbt und leben in größeren Schwärmen zusammen, bis sie dann zur Partnersuche und zum Nestbau ihr Prachtkleid anlegen, danach sind sie gut von den Weibchen zu unterscheiden.

Haltung:
Honigfadenfische lieben gut bepflanzte Aquarien mit genügend Schwimmraum um sich auch einmal auszutoben. Gut geeignet fürs Gesellschaftsaquarium, wenn sie mit ruhigen Bewohnern vergesellschaftet werden. Dann laichen sie dort sogar ab.An die Wasserqualität stellen sie keine Ansprüche, genau wie ans Futter, sie fressen alles was sie ins Maul bekommen.Temperatur sollte nicht unter 26° liegen. Die Beckengröße sollte schon bei 54 Litern liegen.

Zwergfadenfisch
Colisa lalia
Erstbeschreibung erfolgte durch Hamilton-Buchmann 1822
Ersteinfuhr: 1903, H. Stüve, Hamburg
Die Zwergfadenfische werden nach Day in Assam “Lal kholisha” genannt. Der Gattungs- und der Artname sind so entstanden.
Größe: 5-6 cm

Beschreibung:
Geschlechtsunterschiede: Die kleineren Weibchen sind meistens in der Bauchgegend fülliger als die Männchen und lange nicht so farbintensiv. Die Männchen sind etwas größer und farbiger. Der kräftigrote Körper wird von etwa 10 bis 14 schrägen, glänzend türkisfarbenen Streifen überzogen. Es sind gerade die wunderschön gefärbten Männchen, sie begeistern die Aquarianer und haben sie mit zu den beliebtesten Aquarienfischen gemacht. Es gibt wohl kaum einen Fisch, den es in so vielen Farbvarianten gibt, wie den Zwergfadenfisch. Leider ist seine Lebenserwartung mit zwei bis drei Jahren nicht sehr groß.

Haltung:
Zur Vergesellschaftung in gut bepflanzten Aquarien ideal geeignet, wenn die Mitbewohner nicht zu lebhaft sind. Zur Fortpflanzungszeit können die Männchen allerdings aggressiv werden, sie verteidigen aber nur den Umkreis des Nestes. Wasser- und Futteransprüche wie der Honigfadenfisch.Temperatur sollte um die 25° liegen, Beckengröße ab 80 Liter.

Dicklippiger Fadenfisch
Colisa labiosa
Erstbeschreibung erfolgte durch Day 1878
Ersteinfuhr: 1904, H. Stüve, Hamburg
labiosa (lat.) – mit kräftig ausgebildeten Lippen.
Größe: 8 bis 9 cm
Beschreibung: Geschlechtsunterschiede: Männchen größer und mit zugespitzter Rückenflosse, die bis zum Ende der Schwanzflosse reichen kann. Im Prachtkleid nicht zu verwechseln. Weibchen schwächer gefärbt und zeitweilig dunkles Längsband.

Haltung:
Anspruchloser und harter Fisch für schön bepflanzte Gesellschaftsaquarien. Selbst bei der Fortpflanzung recht friedlich. Tiere können gelegentlich etwas schreckhaft sein. Wasserwerte und Futteransprüche siehe HonigfadenfischTemperatur 25°, Beckengröße ab 80 Liter.

Gestreifter Fadenfisch
Colisa fasciata
Erstbeschreibung erfolgte durch Bloch und Schneider 1801
Ersteinfuhr: 1897, Paul Matte, Berlin
fasciata = gebändert
Größe: 10 bis 13 cm,

Beschreibung:
Geschlechtsunterschiede: Die größeren Männchen haben eine zugespitzte Rücken- und Afterflosse, die Weibchen sind gerundet. Im Prachtkleid ist das Männchen sofort zu erkennen. Die Größenangaben beziehen sich auf Wildfänge, im Aquarium sind meine Tiere nicht über die 10 cm gekommen.

Haltung:
Gut bepflanze Aquarien mit Schwimmraum. Die Tiere sind oft schreckhaft bei hastigen Bewegungen am oder in der Nähe des Aquariums. Wasser- und Futteransprüche siehe Honigfadenfisch. Die Tiere sind jedoch starke Fresser und benötigen ausreichende und kräftige Nahrung.Temperatur ca. 25°, Beckengröße ab 100 Liter.

Allgemeine Bemerkungen für alle Fadenfische.
Immer wieder wird bei Anschaffung der Tiere eine paarweise Haltung empfohlen. Diese ist zwar möglich aber ich empfehle grundsätzlich eine Gruppenhaltung dieser Tiere. Es zeigt sich immer wieder, dass bei der paarweisen Haltung das Männchen das Weibchen stark jagt (wie im täglichen Leben). Da unsere Aquarien lange nicht so gut pflanzt sind, hat hier das Weibchen kaum die Möglichkeit sich zu verstecken und wird deshalb dauernd gejagt. Deshalb sollten wir immer eine Gruppenhaltung bevorzugen, ich wähle hier gerne Gruppen von zwei Männchen und drei Weibchen. Hier haben die Weibchen die Möglichkeit sich den Kerlen zu entziehen, sie sind ja in der Überzahl und sind dann lange nicht so ängstlich. Außerdem kann man sehen, wie sich die Männchen gegenseitig imponieren um den anderen zu zeigen, wer hier eigentlich der Schönste ist und wem deshalb die Weibchen gehören.

Zucht:
Obwohl die Fadenfische durchaus auch im Gesellschaftsaquarium ablaichen ist eine erfolgreiche Vermehrung in diesen Aquarien nicht möglich. Wer hier also erfolgreich die Nachzucht antreten will, kommt ohne ein Extra- Aquarium nicht aus.

Ich ziehe meine Fadenfische wie folgt nach:
Aquarium 80-30-20 cm, ohne Bodengrund, ausgerüstet mit einen „Resum“- Schwammfilter. Als Einrichtung dienen Pflanzen in Töpfen und eine Handvoll Wasserpest. Die Töpfe dienen der natürlichen Abgrenzung des Aquariums und bieten den Weibchen immer genügend Versteckmöglichkeiten. Die Wassertemperatur erhöhe ich auf ca. 28°, das Weibchen kommt zuerst ins Aquarium, das Männchen folgt am nächsten Tag. Nach einer kurzen Erkundung des Aquariums kommt er schnell zur Sache, man sieht bald die ersten lockeren Blasen des Schaumnestes an der Wasseroberfläche. Am Anfang wird das Weibchen noch verjagt, aber später immer wieder zum Nest gelockt, bis es zum Laichakt kommt. Dem Laichvorgang gehen einige Scheinpaarungen voraus. Die Abgabe der Eier erfolgt, indem das Weibchen vom Männchen so umklammert wird, dass ihr Bauch direkt unter dem Nest ist und die Eier abgegeben werden können. Danach fallen die Tiere in einer Laichstarre herab und lösen sich dann. Jetzt sammelt das Männchen die Eier an der Oberfläche ein und spuckt sie ins Nest. Die Eier der Fadenfische sind Schwimmeier, die an der Oberfläche treiben. Der Laichakt wiederholt sich solange, bis alle Eier abgegeben sind. Jetzt erfolg der Aus bau des Nestes, das Weibchen wird nun nicht mehr in der Nähe geduldet. Die Larven schlüpfen je nach Temperatur nach ca. 24- 36 Stunden. Sie hängen dann solange im Nest, bis ihr Dottersack aufgezehrt ist. Man sieht sie jetzt im Aquarium verteilt schwimmen, nun entferne ich die Eltern und senke den Wasserstand auf ca. 10 cm. Zu diesem Zeitpunkt kommt das eigentliche Problem: Was fressen die Jungfische??? Artemia können sie erst nach ca. 5 Tagen aufnehmen. Hier habe ich immer mit Kaffeeweisser und sera micron gearbeitet, es wird vom Jungfisch gefressen und der Kaffeeweisser fördert das Wachstum von Kleinstlebewesen wie z.B. Rädertierchen. Können die Jungtiere erst einmal Artemia fressen, haben wir die größten Schwierigkeiten überstanden. Das Labyrinth entwickelt sich nach ca. 14 Tagen, erst dann sollte der Wasserstand langsam erhöht werden.

Vergesellschaftung:
Alle Fadenfische können mit sehr vielen Fischen vergesellschaftet werden, vorausgesetzt diese sind ruhig und friedlich. Hier bieten sich folgende Fischgruppen an: Lebendgebärende Zahnkarpfen, einige Eierlegende Zahnkarpfen, Bärblinge, Salmler und auch einige Barben, doch hier bitte nur solche, die nicht die langen Fäden der Fadenfische abknabbern.

Schlußbemerkung:
Das war’s fürs Erste, ich hoffe ich habe mit diesem kleinen Artikel zur Aufklärung und Beliebtheit dieser wunderschönen Fische beitragen können.

Nun viel Spaß mit den Fadenfischen.

Ihr / Euer
Wolfgang Heller